Eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach klingt 2026 nach einem No-Brainer: niedrige Modulpreise, hohe Strompreise, gute Förderung. Aber: Nicht jedes Bestandsdach trägt eine PV-Anlage, die Förderlandschaft hat Tücken, und die Amortisationsrechnung der Anbieter ist oft zu optimistisch. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Hauseigentümer wirklich achten müssen: von der Statikfrage über die Pronovo-Einmalvergütung bis zur ehrlichen Amortisationsrechnung.
Eignet sich mein Dach? Die drei harten Kriterien
Bevor Sie sich von hübschen 3D-Visualisierungen begeistern lassen, prüfen Sie drei Faktoren, die alle drei stimmen müssen:
1. Statik
Eine Standard-PV-Anlage mit Auflast wiegt 18 bis 25 kg pro Quadratmeter Dachfläche zusätzlich zur ohnehin vorhandenen Schneelast. Bei aufgeständerten Anlagen auf Flachdächern kommen Windlasten dazu, die in Spitzen 80 kg/m² erreichen können. Nicht jedes Dach trägt das ohne weiteres.
Faustregel: Dächer ab 1990 sind in der Schweiz nach SIA 261 dimensioniert und tragen meist problemlos eine PV-Anlage. Bei älteren Dächern braucht es eine statische Berechnung durch einen Ingenieur, sie dauert in der Regel 1 bis 3 Wochen.
2. Dachorientierung und Neigung
Optimal in der Schweiz: 25 bis 35 Grad Neigung, Südausrichtung. Aber: Auch Ost-West-Dächer liefern 80 bis 90 Prozent des Südertrags und sind oft wirtschaftlicher, weil Strom morgens und abends erzeugt wird, genau dann, wenn der Eigenverbrauch hoch ist.
| Ausrichtung & Neigung | Spezifischer Ertrag kWh/kWp/Jahr | Relativ zu Süd 30° |
|---|---|---|
| Süd, 30° | 1'150 – 1'250 | 100 % |
| Südost, 30° | 1'050 – 1'150 | 92 % |
| Ost-West, 15° | 950 – 1'050 | 85 % |
| Flach, 10° Aufständerung | 1'020 – 1'120 | 89 % |
| Nord, 30° | 650 – 800 | 57 % |
3. Verschattung
Schon eine teilweise Verschattung kann die Leistung eines Strangs um 30 bis 60 Prozent reduzieren. Häufige Verschattungsquellen: benachbarte Bäume (besonders Laubbäume, die nur im Sommer Schatten werfen), Kamine, Antennen, Nachbargebäude. Eine Verschattungsanalyse mit Sun-Path-Tool sollte vor der Offerte erfolgen.
Statikprüfung: was kommt da auf Sie zu?
Bei jedem Bestandsdach älter als 1990 ist eine statische Beurteilung Pflicht. Der Ablauf:
- Bestandsaufnahme: Ingenieur kommt vor Ort, vermisst Sparrenabstände, Sparrenquerschnitte, Holzart und Zustand. Bei Stahlbetondächern wird die Bewehrung sondiert.
- Lastrechnung: Eigenlast, Schneelast (kantonsabhängig 0,9 bis 3,5 kN/m²), Windlast, geplante PV-Auflast werden in Kombinationen geprüft.
- Verstärkungsempfehlung: Falls Reserven knapp sind: zusätzliche Sparren, Aufdoppelungen, ggf. Querverteilung mit Holzwerkstoffplatten. Der zusätzliche Aufwand hängt vom Umfang der nötigen Verstärkung ab.
Etwa 75 Prozent der Schweizer Bestandsdächer tragen ohne Verstärkung. Knapp 20 Prozent benötigen leichte Aufdoppelung. Nur etwa 5 Prozent sind statisch ungeeignet, meist sehr alte Holztragwerke mit Schwammschäden oder zu schlanke Konstruktionen aus den 1960ern.
Pronovo-Einmalvergütung: wie es 2026 funktioniert
Seit 2018 ersetzt die Pronovo AG das alte KEV-System. Photovoltaik-Anlagen erhalten heute eine einmalige Investitionsbeihilfe, gestaffelt nach Anlagengrösse und Anwendungsart.
Wie sich die Förderung zusammensetzt
Die Einmalvergütung besteht aus einem Grundbeitrag und einem leistungsabhängigen Beitrag pro installiertem kWp. Die Höhe richtet sich nach Anlagentyp und -grösse: Integrierte Indach-Anlagen und Fassadenanlagen werden stärker gefördert als Aufdach-Anlagen, bei grösseren Anlagen sinkt der Leistungsbeitrag ab einer bestimmten Schwelle. Die jeweils aktuellen Fördersätze veröffentlicht die Pronovo AG; die für Ihr Vorhaben geltenden Beträge ermitteln wir im Rahmen der Offerte.
Antrag Schritt für Schritt
- Anlage planen, Offerte einholen
- Pronovo-Anmeldung online VOR Baubeginn ausfüllen (pronovo.ch)
- Verbindliche Anmeldebestätigung abwarten (1 bis 4 Wochen)
- Anlage bauen lassen
- Inbetriebnahme melden, Schlussabrechnung einreichen
- Auszahlung erfolgt 3 bis 6 Monate nach Schlussabrechnung
Achtung: Wer vor Anmeldebestätigung baut, verliert den Anspruch. Zusätzlich zur Einmalvergütung kann je nach Kanton eine kantonale Förderung beantragt werden. Sie ist von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich, manche Kantone fördern Photovoltaik gar nicht.
Wirtschaftlichkeit: die ehrliche Rechnung
Anbieter-Rechnungen sind oft zu optimistisch, weil sie eine sehr hohe Eigenverbrauchsquote annehmen oder die Strompreissteigerung zu hoch ansetzen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind im Wesentlichen drei Grössen: der Jahresertrag der Anlage, die Eigenverbrauchsquote und das Verhältnis von Netzbezugspreis zu Einspeisevergütung. Je höher der Anteil des selbst genutzten Stroms, desto schneller amortisiert sich die Anlage.
Eine Batterie hebt die Eigenverbrauchsquote deutlich an, verursacht aber zusätzliche Investitionskosten in vergleichbarer Grössenordnung. Der Amortisationspunkt verschiebt sich dadurch kaum. Argumente für die Batterie sind daher eher Komfort und Unabhängigkeit (Stromausfälle) als reine Wirtschaftlichkeit. Eine belastbare, auf Ihr Objekt zugeschnittene Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen wir im Rahmen der Offerte.
Koordination mit Dach- und Fassadenarbeiten
Der häufigste Fehler bei Photovoltaik: Anlage wird auf ein Dach gebaut, das in 5 bis 10 Jahren ohnehin saniert werden müsste. Dann steht die Sanierung an, und die Anlage muss mit erheblichem Zusatzaufwand demontiert, gelagert und wieder aufgebaut werden.
Wer eine PV-Anlage plant, sollte daher den Dachzustand prüfen lassen. Drei Szenarien:
- Dach jünger als 15 Jahre, intakt: PV direkt installieren, keine Koordination nötig.
- Dach 15 bis 25 Jahre, in mässigem Zustand: Dachsanierung gleich mitmachen. Spart Gerüst- und Anfahrtskosten, ergibt 30 bis 50 Jahre Ruhe.
- Dach älter als 25 Jahre: Sanierung zwingend vor PV-Installation.
Eine integrierte (Indach-) Anlage ist immer dann sinnvoll, wenn ohnehin neu eingedeckt wird. Sie ersetzt die Dachhaut, ist optisch deutlich attraktiver und wird höher gefördert als eine Aufdach-Anlage. Der Mehraufwand gegenüber Aufdach wird durch den Wegfall der Dacheindeckung teilweise kompensiert.
So wählen Sie den richtigen Anbieter
Der Photovoltaik-Markt ist 2026 überflutet von Anbietern unterschiedlicher Qualität. Verlässliche Auswahlkriterien:
- Solarprofi-Zertifikat von Swissolar, bestätigt fachliche Mindestqualifikation
- Detailoffert mit Statiknachweis, keine Pauschale ohne Statikprüfung
- Verschattungssimulation als Bestandteil der Offerte
- Garantie auf Verlegearbeiten min. 5 Jahre zusätzlich zu Herstellergarantien
- Hersteller mit europäischer Produktion (Meyer Burger, REC, Solarwatt) als Qualitätsindikator
- Lokaler Anbieter mit Servicegarantie, der im Notfall innert 48h auf dem Dach ist
Vorsicht bei sogenannten "Komplett-Anbietern" mit aggressiver Vertretertaktik. Wir sehen in Zweitbegutachtungen häufig: nicht zertifizierte Verlegung, fehlende Verschattungsanalyse, überdimensionierte Anlagen relativ zum Verbrauch. Eine Anlage muss zu Verbrauchsprofil und Dachsituation passen, sonst lohnt sie sich nicht.



